Hallenrad-WM 2026 – Wenn Regenbogen-Trikots perfekt passen

Die Goldspur der deutschen Kunstradsportler zeigt weiter in die Barockstadt Ludwigsburg. Zweimal Rang 1 und 2. Mehr geht nicht – und das vor gut 2500 Besuchenden. Katharina Schwarz, Vizepräsidentin von German Cycling, erklärte die MHP-Arena zum „Hexenkessel“. Die Stimmung auf den steil ansteigenden Tribünen verdient eine Auszeichnung.
Das Abschneiden von Lea-Victoria Styber und Nico Rödiger passt gut zur LB-Jubelarie. Nach einem Silber-Triple in der Offenen Klasse (2021 bis 2023) gelang nun die Gold-Serie: 2024, 2025, 2026. Obgleich die federleichte Lea nach einem Sturz bei der Deutschen Meisterschaft die WM quasi abgehakt hatte. Am Samstag bei der Quali ging das Duo erstmals (!) wieder ohne Sicherung auf die Fläche. Man hatte das Programm sanft entschärft, aber das merkten in der Arena nur Insider. Mit 162,34 Punkten war der Coup deutlich vor Julia Hämmerli und Patrick Tisch.
Doch der Reihe nach. Die Ärzte hatten erst letzte Woche ihr „go“ zum Start gegeben. Die Sorgen blieben, „aber es ist eher unwahrscheinlich, dass man auf die gleiche Stelle stürzt“, so Bundestrainer Maute. Und tatsächlich vermochten die beiden Hessen ihr Handicap in den fünf Minuten der Entscheidung völlig auszublenden. Am Samstag noch ein leichtes Zittern inklusive Wackler beim Schulterstand. „Logo war es ein Risiko, aber eines, dass man annehmen konnte“, so Nico Rödiger. Und dann sprudelte es aus dem Team raus. „Die emotionalste WM überhaupt, unsere beste Kür. Und dann dieses super Publikum. So ein Flair hier.“ Die beiden Athleten wohnen 150 Kilometer auseinander, aber ihr Teamwork seit der Verletzung geht in die Hallenrad-Historie ein. Die endete mit einem lauten Freudenschrei am Ende der klasse Übung. Und natürlich soll die Geschichte 2027 gemeinsam weitergehen.
„Dieser Erfolg toppt sogar den Weltrekord, das ist der schönste Tag meiner Karriere.“ Lara Füller konnte ihre Gefühle erst einige Minuten nach dem WM-Sieg beim Heimspiel in Worte fassen. Als Vorletzte gestartet, mit guten 196,00 Punkten belohnt, blieb sie vor Quali-Siegerin Ramona Dandl, die Silber mit nach Bayern nimmt.
„Es war einfach eine gute Saison – und wahrscheinlich alle Programme besser als dieses, aber natürlich steht die Goldmedaille über allem.“ Die ganz Halle applaudierte der 27-jährigen Europameisterin, La Ola für die Sportlerin aus Poppenweiler, von über 100 „eigenen“ Fans begleitet. „Dann überwältigt einen das Gefühl, auf der Platte zu stehen.“ Nur ein bisschen sei sie „unruhig“ gewesen – aber der Ludwigsburger Flow wischte alles beiseite. Das zweite Regenbogentrikot – nach Bremen 2024 – passt einfach perfekt.
Überraschung im Einer der Männer. Weltrekordler Philipp Rapp (196,00 Punkte) musste Simon Halter mit 202,13 Punkten in der Qualifikation den Vortritt lassen – aber beide schafften souverän den Einzug ins Finale, die vorletzte Entscheidung am finalen Sonntag. Dann freuen sich die Zuschauer wieder auf den nächsten Salto-Abgang des Titelverteidigers aus Tailfingen.
Die Siegesserie der deutschen Radball-Novizen Robert Mlady und Michael Birkner endete – nach zwei starken Performances – gegen die Rosshaarkugel-Koryphäen aus Dornbirn. Schnetzer und Bröll siegten im Duell der Gruppen-Ersten in der Zwischenrunde mit 9:5. Klingt deutlich, doch die Fans in der MHP-Arena feierten die beiden Franken dennoch überschwänglich. Ihr Auftritt, ihr Selbstvertrauen und der unbändige Wille lassen den Funken überspringen. Am späten Abend setzten die GC-Cracks den Schlusspunkt unter einen prickelnden Hallenrad-Tag. 9:1 gegen Ungarn – der Ball rollt weiter.

Bericht by Beate Dobbratz – ISK/Sportler des Jahres

Bild (c) Wilfried Schwarz

Bild mit freundlicher Genehmigung von Wilfried Schwarz | das Randsport-Magazin
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